Mentor
Vom Dipl. Betriebswirtschafter/in HF ins Bachelor-Studium
IBAW

«Nur drei statt fünf Semester»

Von Luzia Popp | 11.09.2020
In drei Semestern zum Wirtschafts-Bachelor: Neu können Studierende des IBAW an die FHNW wechseln. So sparen sie sich auf dem Weg zum Bachelor zwei Semester. Studiengangsleiter Boris Rohr im Interview über die Kooperation, die es so in der Schweiz noch nie gab.

Boris Rohr, wer am IBAW als «Dipl. Betriebswirtschafter/in HF» abschliesst, kann neu an der FHNW ins sechste Semester des Bachelor-Studiengangs Wirtschaft einsteigen. Was ist daran so speziell?
Die StudentInnen sparen zwei Semester, also ein ganzes Jahr. Dass man von einer Höheren Fachschule (HF) an eine Fachhochschule (FH) wechseln kann, ist nicht neu. Doch üblicherweise steigen AbsolventInnen einer Höheren Fachschule für Wirtschaft ins vierte von acht Semestern ein.

IBAW-StudentInnen wechseln direkt ins sechste Semester, wie ist das möglich?
Wir haben den Studiengang am IBAW auf das Bachelor-Studium der FHNW ausgelegt. Bereits in der Planung haben wir die Lehrpläne aufeinander abgestimmt. Dennoch gibt es einige Themen, die für das spätere Studium wichtig sind, die im HF-Studiengang nicht behandelt werden. Deshalb haben wir Zusatzmodule entwickelt. Wer das Bachelor-Studium als Ziel hat, besucht zusätzlich diese sechs Module.

Und ist dann gut auf das Bachelor-Studium vorbereitet?
Genau. Durch unsere Kooperation arbeiten wir sehr eng mit der FHNW zusammen. Sie prüft zum Beispiel, dass wir unsere Studierenden im Studium und mit den Zusatzmodulen perfekt auf den Bachelor-Studiengang vorbereiten. Wer bei uns abschliesst, weiss: Ich bin bereit.

Und bis wann muss man sich entscheiden, ob man nach dem Abschluss zum «Dipl. Betriebswirtschafter/in HF» ins Bachelor-Studium wechselt?
Bei der Anmeldung am IBAW ist noch kein Entscheid nötig. Ende des zweiten Semesters stellt sich erst die Frage: Zusatzmodule besuchen oder nicht. Das Gute daran: Das Bachelor-Studium ist eine Option, die nicht erlischt. Auch die sechs Zusatzmodule lassen sich nach dem Abschluss nachholen, kein Problem. Und auch wer nicht vorhat, an die FHNW zu wechseln, kann einzelne Zusatzmodule belegen – je nach beruflichen oder persönlichen Bedürfnissen.

Ist das typisch schweizerisch: Man entscheidet sich für einen Bildungsweg und danach stehen weitere Optionen offen?
Ja, wer sich für diese Weiterbildung, landet nicht in einer Sackgasse. Im Gegenteil, nach Abschluss stehen neue Wege offen. Diese Durchlässigkeit unseres Bildungssystems loben wir ja in der Schweiz gerne. Doch oft sind solche Wechsel innerhalb der Tertiärstufe mit Fernstudium verbunden, also mit Anbietern aus dem Ausland. Dass zwei Schweizer Bildungsinstitutionen so eng zusammenarbeiten wie die FHNW und das IBAW, ist tatsächlich einmalig. Unser Modell fördert die Durchlässigkeit.

Gibt es für StudentInnen weitere Vorteile dieser Zusammenarbeit?
Wer die Zusatzmodule besucht, hat dank der Qualitätsprüfung durch die FHNW die Sicherheit, ausgezeichnet vorbereitet zu sein. Und dazu die Bibliotheken der FHNW, die allen StudentInnen offenstehen. Doch auch umgekehrt gibt es Vorteile: Wer das Studium an der FHNW abbricht, kann ans IBAW wechseln, ganz unkompliziert, und ein Studium auf der Tertiärstufe abschliessen. Gerade wenn sich die private Situation ändert oder wenn der Aufwand fürs Studium doch zu gross wird, ist das eine gute Option.

Wie ist es überhaupt zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Die Politik rühmt stets die Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems. Doch wie sieht die Realität aus? Ja, ich weiss, es gibt Kauffrauen und -männer, die den Wirtschafts-Master an einer Universität erreichen. Das ist ein langer und steiniger Weg. Wir erleichtern diesen Weg mit unserem neuen Modell.

Zwei Bildungsinstitutionen, ein Ziel. Das IBAW und die FHNW besiegeln ihre Zusammenarbeit (v.l.n.r.): Boris Rohr, Leiter Studiengang Dipl. Betriebwirtschafter/in HF am IBAW; Michael Achermann, Leiter IBAW; und von der FHNW Prof. Dr. Rolf Schaeren, Mitglied des Management Boards der FHNW; Prof. Dr. Markus Freiburghaus, Leiter Ausbildung.

Sie sind Studiengangsleiter, weshalb überzeugt Sie der «Dipl. Betriebswirtschafter/in HF»?
Das beginnt schon bei der Aufnahme, wir betrachten jeden Interessenten, jede Interessentin einzeln. Bereits erbrachte Lernleistungen rechnen wir an. Technische Kaufleute können so direkt ins vierte Semester einsteigen und haben die Möglichkeit, in nur drei Jahren den Bachelor abzuschliessen. Wer neben Arbeit oder Familie eine Weiterbildung besucht, weiss: Das kann ganz schön happig werden. In diesem Studiengang kombinieren wir Präsenz- und Onlineunterricht. So kommen StudentInnen einmal pro Woche ans IBAW, und treffen sich ein weiteres Mal online – das spart eine Menge Reisezeit. Wir sind an mehreren Standorten in der ganzen Schweiz und die sind alle sehr nah am Bahnhof gelegen: In der Welle7 in Bern, am Schwanenplatz in Luzern, in Aarau und Altstetten. Sie erreichen uns vom Bahnhof jeweils innert weniger Minuten zu Fuss. Einzigartig ist auch unser Laufbahn-Coaching.

Eine Vorbereitung auf die berufliche Zukunft?
Das Laufbahn-Coaching ist Teil des Unterrichts und ja, es unterstützt StudentInnen in Ihrer Führungsfunktion, in ihrer Laufbahn: Sie lernen, wie Einstellungsprozesse ablaufen, was einen guten Lebenslauf auszeichnet. Darüber hinaus bieten unsere ExpertInnen auch persönliche Beratungen an.

Dipl. Betriebswirtschafterinnen und Betriebswirtschafter HF sind Generalisten. Was heisst das?
Der Lehrplan ist sehr breit, er deckt die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre ab: Logistik, Produktion, Mitarbeiterführung, Projektleitung, Marketing, dazu Rechnungswesen und Controlling sowie Statistik und Volkswirtschaftslehre. Auch wer selbst nicht alle Kompetenzen im Berufsalltag anwendet, dem verhelfen sie zu einem gut fundierten Fachwissen.

Letzte Frage: Wem empfehlen Sie diesen Studiengang am IBAW?
Der Studiengang bereitet auf ein Stellenprofil im mittleren Kader vor, also Mitarbeiter mit Führungsverantwortung. Wir empfehlen das allen, die eine Führungsfunktion ausüben oder anpeilen. Das kann die stellvertretende Teamleiterin einer Versicherung sein, der Filialleiter eines Supermarkts oder die Verkaufsleiterin des Innendiensts, die sich weiterentwickeln möchte.

Danke, Boris Rohr.
Gerne.

Boris Rohr
Als Studiengangsleiter setzt er sich für die Durchlässigkeit das Schweizer Bildungssystems ein. Er selbst hat beruflich einen klassischen Weg eingeschlagen: Matura am Gymnasium, danach das Wirtschaftsstudium zum lic. oec. an der Universität St. Gallen. Elf Jahre lang hat er die HFW am KV Aarau geleitet.

 

Der Studiengang: Dipl. Betriebswirtschafter/in HF

 

Los geht es im August 2021, dann startet der Studiengang an mehreren Standorten, voraussichtlich in Aarau, Bern, Luzern und Zürich. Hier die Details:

  • Wer am IBAW den Studiengang «Dipl. Betriebswirtschafter/in HF» erfolgreich abschliesst, hat die Möglichkeit, an die FHNW zu wechseln. Der Übertritt erfolgt ins sechste Semester des Bachelor-Studiums Betriebsökonomie.
  • Die FHNW und das IBAW erleichtern ihren Studierenden den Wechsel zwischen Höherer Fachschule und Fachhochschule, was als Durchlässigkeit des Bildungssystems bezeichnet wird. Dieses Modell haben die beiden Bildungsinstitute in enger Zusammenarbeit entwickelt, in der Schweiz ist das bislang einzigartig.
  • Das Studium zur dipl. BetriebswirtschafterIn HF ist berufsbegleitend und dauert sechs Semester. Angeboten wird es an mehreren Standorten des IBAW in der Zentral- und Nordwestschweiz.
  • In der zweiten Studienhälfte können Studierende sechs Zusatzmodule besuchen, die von der FHNW zertifiziert sind. Sie berechtigen nach Abschluss direkt ins sechste Semester des Bachelor-Studiums Betriebsökonomie der FHNW einzutreten.
  • Studierende profitieren so von einem verkürzten Bachelor-Studiengang. Umgekehrt erhalten Studierende der FHNW, die ihr Bachelor-Studium frühzeitig abbrechen, die Möglichkeit, unter Anrechnung ihrer Lernleistungen, an der HFW des IBAW weiter zu studieren und den Abschluss als dipl. Betriebswirtschafter/in HF zu machen.
  • Das praxisorientierte Studium am IBAW richtet sich an Personen mit einer kaufmännischen Berufslehre, die sich ein breites betriebswirtschaftliches Wissen aneignen wollen. Auch ambitionierte Personen aus dem Verkauf und QuereinsteigerInnen sind willkommen, die sich weiterentwickeln möchten.

Prof. Dr. Markus Freiburghaus, Leiter Ausbildung FHNW sagt dazu: «Die Schweiz hat ein ausgezeichnetes Bildungssystem, das sich durch klare Profile aber auch durch Durchlässigkeit auszeichnet. Die Kooperation zwischen der Hochschule für Wirtschaft FHNW und dem IBAW ist ein Beispiel dafür, wie Durchlässigkeit auf der Tertiärstufe funktionieren kann. Und das im Interesse von Studierenden und der Wirtschaft.»

Michael Achermann, Leiter des IBAW, betont: «Fachkräfte mit Wissen und Praxiserfahrung sind wichtig für einen starken Wirtschaftsstandort Schweiz. Unser neues Ausbildungsmodell ermöglicht Fachkräften eine aussichtsreiche Weiterentwicklung.»

 

Abkürzungen und Fachbegriffe

 

HF: Höhere Fachschule
Für die Zulassung wird ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) verlangt. Die Ausbildungen an der HF sind praxisorientiert und fokussieren auf Fachkenntnisse. Wer an einer Höheren Fachschule studiert, bringt in der Regel Berufserfahrung mit. AbsolventInnen übernehmen oft Fach- oder Führungsverantwortung. In der Schweiz gibt es über 130 Höhere Fachschulen.

HFW: Höhere Fachschule für Wirtschaft
Eine Höhere Fachschule (HF) für Wirtschaft, eine davon ist das IBAW. Höhere Fachschulen gibt es für insgesamt acht verschiedene Bereiche, wie Gesundheit, Technik oder Wirtschaft. Die Studiengänge sind in Diplom-Studiengänge und Nachdiplom-Studiengänge (NDS) eingeteilt.

FH: Fachhochschule
Wer an einer FH studiert, hat zusätzlich zum eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) die Berufsmaturität abgeschlossen. Die Studiengänge sind auf theoretische Kenntnisse ausgerichtet. Anders als Höheren Fachschulen betreiben Fachhochschulen Forschung.

Tertiärstufe
Sie folgt im Bildungssystem auf die Sekundarstufe II. Die Tertiärstufe beinhaltet Höhere Fachprüfungen (HFP), Berufsprüfungen (BP), Höhere Fachschulen (HF) und Hochschulen wie Fachhochschulen (FH), Pädagogische Hochschulen (PH) sowie Universitäten und die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH).

Autorin
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Luzia Popp
Marketing/Kommunikation